Endoskop oder Boreskop?

Endoskop oder Boreskop?

Fachleute aus dem Bereich der zerstörungsfreien Prüfung (NDT) und der visuellen Prüfung stehen häufig vor einer sprachlichen Frage: Warum wird in der Industrie so häufig von Endoskopen gesprochen, obwohl es sich technisch gesehen bei den meisten Prüfgeräten um Boreskope handelt, von denen viele moderne Videoskope sind?

Die Vermischung dieser Begriffe ist nicht nur ein sprachliches Phänomen, sondern spiegelt auch die Entwicklung der optischen Prüftechnik, die konzeptionelle Annäherung der Geräte sowie deren etablierte Verwendung in verschiedenen Branchen wider.

Boreskop (Borescope)

Der Begriff „Borescope“ setzt sich aus dem englischen Wort „bore“ (Loch, Bohrung oder Gewehrlauf) und dem griechischen Verb „skopein“ (betrachten) zusammen.

Herkunft: Die ersten Boreskope wurden Ende des 19. Jahrhunderts für die Industrie und die Rüstungsindustrie entwickelt, um beispielsweise Waffenläufe, Rohrleitungen, Dampfkessel und andere schwer zugängliche Hohlräume zu inspizieren, ohne diese zerlegen oder die Strukturen beschädigen zu müssen.

Grundaufbau: Ein herkömmliches Boreskop ist ein starres, röhrenförmiges Gerät, bei dem das Bild über ein Linsensystem an den Prüfer oder eine Kamera übertragen wird. Diese Bauweise eignet sich besonders gut für gerade oder nahezu gerade Inspektionsobjekte und liefert ein äußerst präzises optisches Bild.

Endoskop (Endoscope)

Der Begriff „Endoskop“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „endon“ (innen) und „skopein“ ( sehen) zusammen.

Herkunft: Der Begriff und die Technologie stammen aus der Medizin. Der französische Arzt Antoine Jean Desormeaux entwickelte im Jahr 1853 das erste klinisch einsetzbare Endoskop zur Untersuchung der Harnwege und etablierte den Begriff „Endoskop“ im medizinischen Sprachgebrauch.

Grundlegender Aufbau: Da die Strukturen des menschlichen Körpers vielschichtig, gewunden und empfindlich sind, benötigte die Medizin nach und nach immer flexiblere Endoskope. Diese Entwicklung führte zunächst zum Einsatz der Faseroptik und später zu digitalen Kamerasensoren, mit deren Hilfe die Spitze des Endoskops präzise an schwer zugängliche Stellen geführt werden konnte.

Warum hat die Industrie einen medizinischen Begriff übernommen?

Obwohl der Inspektor in der Industrie arbeitet

in einem mechanischen Umfeld arbeitet, hat sich der Begriff „Industrieendoskop“ in vielen Märkten etabliert und bezeichnet mittlerweile auch moderne Videoendoskope. Für dieses Phänomen gibt es mehrere naheliegende Gründe.

Technologische Konvergenz

Als sich die Inspektionsobjekte in der Industrie von geraden Rohren auf komplexe Strukturen wie Strahltriebwerke, Prozessrohrleitungen und die inneren Kanäle von Gussteilen ausweiteten, reichte ein starres Boreskop nicht mehr für alle Anwendungsbereiche aus. In der Industrie wurden Lösungen eingeführt, die aus der medizinischen Endoskopie bekannt waren, wie beispielsweise flexible, biegsame Sensoren und spitzengesteuerte Konstruktionen. Da sich die Funktionsprinzipien der Geräte annäherten, begann sich auch die Terminologie allmählich zu vereinheitlichen.

Sprachliche Intuition und Etablierung

Im Finnischen wird das Wort „Endoskop“ leicht als Oberbegriff für ein Endoskopiegerät verstanden. Da der Begriff bereits aus der Medizin bekannt war, weitete sich seine Verwendung ganz natürlich auch auf industrielle Anwendungen aus.

Das digitale Zeitalter – Videoskope

Moderne Inspektionsgeräte sind zunehmend Videoskope, bei denen das Bild durch einen an der Spitze des Geräts angebrachten CMOS- oder CCD-Bildsensor erzeugt wird. In ihrer Bauweise unterscheiden sie sich von herkömmlichen optischen Boreskopen, bei denen das Bild über Linsen oder Glasfaseroptik übertragen wurde.

Aus diesem Grund wird der Begriff „Industrieendoskop“ häufig als Oberbegriff für flexible industrielle Prüfgeräte verwendet, obwohl die technisch genauere Bezeichnung in vielen Fällen „Videoboreskop“ lautet.

Entscheidend ist der Einsatzzweck, nicht die Bezeichnung

Das Nebeneinanderbestehen der Begriffe ist eine natürliche Folge der technologischen Entwicklung. Wenn ein Industrieexperte nach einem Industrieendoskop sucht, meint er in der Praxis meist ein modernes, flexibles Videoboreskop.

Unabhängig vom verwendeten Begriff sind die technischen Eigenschaften des Geräts – wie Steuerbarkeit, Kabellänge, Durchmesser, Bildqualität und Umweltbeständigkeit, für das zu inspizierende Objekt geeignet sind.

Visionome bietet hochwertige Lösungen für die visuelle Inspektion sowie Fachkompetenz für industrielle Anforderungen. Wir helfen Ihnen dabei, genau das richtige Inspektionsgerät zu finden – ganz gleich, ob Sie es als Endoskop oder Boreskop bezeichnen.

 

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